1975:
Revolution - We all wanna change the world
Höhepunkt der kommunistischen Bewegung in Bremen, wenn auch nur ein kleiner. Mit dabei: 15 Jugendliche. Sie kämpfen um selbstverwaltete Jugendzentren in der Neustadt, betreiben Straßenagitation vor Aldi in Walle, versuchen sich bei der Unterwanderung der Bundeswehr, praktizieren Schulkampf um Einheitsnoten, laufen mit roten Fahnen unter Mao-Porträts auf unzähligen Demonstrationen,.....und Werder verhindert mit einem Punkt vor Stuttgart den Abstieg aus der Bundesliga. Fußball ist proletarisch und kämpferisch, sagen sich die Heranwachsenden, und folgerichtig hält das rote Banner des Sozialismus Einzug auch auf dem grünen Rasen. Die Oberschüler kicken zunächst im beamteten Findorff, die Arbeiterjugendlichen in der Neustadt. Doch warum getrennt marschieren, wenn man gemeinsam stärker ist? Der Roter Stern Walle/Neustadt wird gegründet. Der Kuhhirten ist der auserkorene Platz. Wo auch sonst? Schließlich stand hier 1899 die Wiege des SV Werder. Ein Jahr fleißiges Training unter einem angehenden Jugendnationalspieler als Spielertrainer folgt. Eine sich abzeichnende Karriere im DFB schien allemal unattraktiver zu sein als diesen linken Haufen zu Meisterehren zu führen. Fortan wird sich regelmäßig getroffen und trainiert. Körperliche Ertüchtigung als proletarische Waffe im Klassenkampf. Nebenbei macht das Kicken auch noch Spaß. Sogar Sympathisanten der Kaderschmiede dürfen mitmachen.
1976:
Solidarität mit Zimbabwe - Der erste Pokal
Höhepunkt linker Politik in Bremen. Der frühere Bremer Umweltsenator Fücks steht wegen opportunistischem Verhaltens kurz vor dem Rauswurf aus der zerfallenden Kaderorganisation. Spontis und Öko-Freaks an der Uni erobern die politischen Mehrheiten. Und Werder? Klassenerhalt im letzten Spiel! Auch beim Roten Stern stehen die Zeichen der Zeit nicht still. Im Sommer 76 schaut die interessierte Fußballwelt auf die Plätze am Kuhhirten. Solidaritätsturnier für das Volk von Zimbabwe gegen das Apartheidregime im damaligen Rhodesien. 2 komplette Teams stellt der Rote Stern, davon eines gemischtgeschlechtlich. Damals waren die Spielerfrauen noch selbst aktiv. Das rote Männerteam wird schließlich Turniersieger. Ein Wimpel als Siegerpreis ziert fortan die Vitrine irgendeiner Spieler-WG. Wer waren die Gegner? Klar, der Kommunistische Bund Westdeutschland KBW, aber sonst? Vielleicht irgendein Studentenzirkel, vietnamesische Studenten? Zwischen den Spielen wird chinesische Sportgymnastik betrieben. Angeblich höchst revolutionär. Heute steht diese Körperertüchtigung in jedem VHS-Programm: Tai-Chi. Aber Hauptsache: Gewonnen. Und immer noch wird fleissig trainiert. Der Zimbabwe-Pokal soll nicht der Letzte bleiben.
1977:
Vom Kader zur Basis
Die Roten Kicker verlassen ihre politische Heimat. Irgendwie scheint das mit der sozialen Revolution nicht recht zu klappen. Die Schule wird verlassen, erste Studentenerfahrungen gesammelt. Gewohnt wird in WG´s, die Mutter ist weit weg (im anderen Stadtteil). Fortan kämpfen die Rotsterne in Bürgerinitiativen gegen Atomkraft an den Bauzäunen und widmen sich einer politischen Neuorientierung. Das Team verliert zwangsläufig die ersten Spiele, alte Spieler gehen, Neuerwerbungen erweisen sich in der gesellschaftlichen Umbruchphase nicht immer als Glücksgriffe. Das Probetraining ist immer sonntags morgens, und ein Hund ist auch dabei: Ester heißt sie und gehört zu Jochen, einem noch revolutionär gesinnten Studentenkicker. Denn immer noch dürfen proletarische Kader mitspielen. Auch wenn es Kommilitonen sind. Die Plätze am Kuhhirten werden immer schlechter bespielbar. Immer häufiger wird auf den Wiesen am Werdersee ausgewichen. Und wird auf den echten Plätzen gespielt, kommt sofort Hubert, der Platzwart, und schickt regelmäßig die Polizeigewalt. Auch er hat einen Hund, Moritz, die Riesendogge. Sie springt mit drei Sätzen von Tor zu Tor. Als der Roter Stern wieder einmal nicht den Rasen für den DFB-Spielbetrieb freigab, gab Hubert folgende Alternative aus: Bullen oder Moritz. Wir entschieden uns aus Erfahrung für die Staatsgewalt.
1978:
Fussball Si - Junta No
Ein letztes Mal versucht sich der Rote Stern in internationaler Solidarität. Beim Turnier der jahrelang bekämpften DKP, der westdeutschen Variante der SED, tritt das Teams in Trikots, die zur Unterstützung des Befreiungskampfes im damaligen Rhodesien ( heute Zimbabwe ) aufrufen, an und scheitert nur knapp. Türkische Jugendliche sind die einzigen, die die Rotsterne schlagen können. Breshnews Anhänger landen abgeschlagen auf den hinteren Tabellenplätzen. Zumindest ein Turnierziel wird somit erreicht, zumal die türkischen Jugendlichen aus dem besetzten Haus in der Neustädter Mainstrasse ( und somit Freunde des Rotsterns ) die Siegerehrung platzen lassen. Im Sommer jedoch erfolgt ein böser Einbruch. Unter dem Motto “Fußball si, Junta no” mobilisieren Bremer Spontis für ein riesiges Fußballturnier gegen die Ausrichtung der Weltmeisterschaft im durch eine Militärdiktatur regierten Argentinien. Mit dabei natürlich die Roten Sterne. Wieder können zwei komplette Teams gestellt werden. Und wieder sind sie gemischtgeschlechtlich. Es war die Zeit der emanzipatorischen Bewegung unter den Frauen, und die machte auf dem grünen Rasen nicht halt. Genutzt hat dies nichts. Team 1 schied schon in der Vorrunde aus, Team 2 kassierte eine vernichtende Niederlage gegen das Bremer Schnürschuh-Theater als wahre Künstler auch auf dem Rasen. Und ausgerechnet das politisch diffuse Team der Schwarz-Roten-Angriffsformation aus dem Ostertor gewinnt das Turnier. Eine Ansammlung von Spontis, Anarchos und seltsamen Alternativen, politisch schwer einzuordnen und dementsprechend auch auf dem Spielfeld nicht berechenbar. Der Weg des Roten Stern war dadurch allerdings nicht mehr aufzuhalten. Erstmals wurde erkannt, eine Adressenkartei anzulegen. Und auch die Spielergebnisse sollten fortan notiert werden. Werder indes errang den viertletzten Platz in der Bundesliga.
1979:
11 Tore gegen die DKP – gewonnen
Die Masse macht’s. Erstmals trägt der Rote Stern durchschnittlich alle 2 Wochen ein Spiel aus. Die DKP wird mit 11 : 0 geschlagen. Hunderttausend AKW-Gegner und 20 linke Fußballer nehmen am Gorleben-Treck gegen die Atommüllfabrik teil. Arbeiter und Bauern, Intellektuelle - vereinigt euch. Dafür darf schon mal das Training ausfallen. Und CSU-Chef Strauß will Bundeskanzler werden. Massendemonstration vor der Stadthalle. Die linke Granate im Mittelfeld des Roten Stern wird von einem im Polizeidienst tätigen ehemaligen Klassenkameraden verpfiffen. Landfriedensbruch. Prozess und Strafe. Andere Kicker werden auch angeklagt: Parolen malen, Sachbeschädigung, Plakate kleben. Die Aktivitäten ruhen nicht. Im Gegenteil. Politische Strafen werden verknüpft mit einem Turnier im Knast Oslebshausen. Die Erinnerung daran läßt allerdings eher Lungenpfeifen und Magenkrämpfe aufkommen als eine Auseinandersetzung mit den Knastverhältnissen. Gutmütig wie wir sind, schmuggeln wir Kaffee und Schwarzen Krauser Selbstgedrehten in den Knast. Die Knackis wollten eher echte Rauschmittel. So ist das mit dem Proletariat. Glücklicherweise haben wir kein Flugblatt zu den Knastverhältnissen in der BRD reingeschmuggelt. So begnügen wir uns mit neuen Erfahrungen, die das Weltbild wieder einmal in Frage stellen. Und Werder? Ende des Jahres beendet Eisenfuß Höttges seine aktive Laufbahn. Auch ein schlechtes Omen!
1980:
11 Tore gegen die KPD/ML – verloren
25 Spiele, davon 12 gewonnen, aber eine ungewöhnliche Niederlage gegen die Bremer Ortsgruppe der KPD/ML, einer weiteren kommunistischen Kadergruppe. Das 12:11 der albanischen Stalinisten soll noch heute wahre Glücksgefühle beim mittlerweile als Hausarzt des Rotstern-Teamchefs tätigen ML-Liberos hervorrufen. Die KPD/ML scheiterte bekanntlich trotzdem. Der Rote Stern wird im Rahmen der Rehabilitation tätig. Ob die zahlreichen Niederlagen von ehemals Drogenabhängigen gegen das Alternativteam sich allerdings positiv auf die Therapie auswirkten, bleibt umstritten. Werder übrigens steigt ab, dafür wird das Weserstadion Ort einer der härtesten Schlachten auch des Roten Sterns. Während einer öffentlichen Rekrutenvereidigung entsteht die Bremer Anti-Kriegs-Bewegung. Mittendrin: Rote Kicker. Also doch noch Politik in den Köpfen. Und nochmals spielen wir bei der moskautreuen DKP als immer noch linkes Aushängeschild mit. Beide Niederlagen werden gegen Jugendfreizeitheime eingefahren. Erste Alterserscheinungen? An der Uni allerdings schafft der Rote Stern wieder das Optimum: Nachwuchskicer entdecken das Ballspiel beim Roten Stern..
1981:
Landfreaks und Schnürschuhe
Otto Rehhagel kommt endgültig an die Weser. Mit Werder geht es aufwärts. Kostedde, Völler, Burgsmüller: Werder greift an. Der Rote Stern verstärkt sich ebenfalls. Er greift zu harten Mitteln und transferiert die 78er der schwarz-roten Spontis als siegreiche WM-Argentinien-Turnier-Sieger und die Reste des Angstgegners der Schnürschuhtruppe. Damit ist der Lokalpatriotismus des Roten Stern nicht mehr aufrechtzuerhalten. Mittlerweile sind aus den Arbeiterjugendlichen und Oberschülern Studenten und Akademiker geworden. Das Walle-Neustadt aus dem Namen ist nicht mehr aufrechtzuerhalten. Man nennt sich fortan Roter Stern Bremen. Alle Angstgegner der Vergangenheit werden geschlagen und auch das erste Auswärtsspiel in Dickel in der Nähe Osnabrücks wird mit 7:1 gegen die dort ansässige Landfreakkommune gewonnen. Lieblingsgegner bleibt allerdings Westring 77 Wildeshausen. 6:5, 3:0, 5:1, 6:1, und jetzt 12:3 - 32 Tore in 5 Spielen - da läßt sich die erste Niederlage gegen ein DFB-Team - BTS Neustadt 2. Herren - leicht verkraften. Und auch politisch bleibt alles beim Alten. Wieder mal zahlreiche Demonstration und der Rote Stern ist immer dabei.
1982:
Berlin, Berlin - wir fahren nach
Berlin
“Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin”. Am 5.12.82 gewinnt das Bremer Team mitten in Kreuzberg auf einem Hartplatz 7:3 gegen den unterklassigen Kreisligisten Hansa 07. Dokumentarisch festgehalten auf Super 8 von einem ehemaligen Mitspieler und bekannten Bremer Filmemacher . “7:3 Roter Stern gegen Hansa 07” prangte bis zu ihrem Fall auf der Berliner Mauer. Noch 7 Jahre später soll um diese fünf Meter Beton heftigst unter Berliner Mauerspechten gestritten worden sein. Überhaupt 1982. Die Roten Sterne aus dem ostfriesischen Norden werden mit 12:0 an die Deiche zurückgeschickt, beim anschließenden Boßeln an den Deichen gewinnen die Ossis. Der Bunte Sturm Bremen, immerhin Teilnehmer beim Ostparkturnier in Frankfurt gegen Joschka Fischers Truppe, wird 9:1 und 6:1 geputzt und zahlreiche Turniere mit vorderen Plätzen belegt. Und Werder erreicht den UEFA-Cup. Dort allerdings scheitert die Truppe an Dundee United aus Schottland in der 3. Runde. Viel Bremer engagieren sich in Bürgerinitiativen gegen Atomanlagen. Und immer noch dabei der Rote Stern. Montags bis Freitags Stadtteilgruppen und Bürgerinitiativen, samstags demonstrieren und Wochenmarktagitation - und sonntags zur Entspannung Fußballtraining.
1983:
Alle Spiele gewonnen - trotzdem nur Zweiter
Alle 8 Spiele über 90 Minuten werden ohne Niederlage absolviert, dabei 51 Tore erzielt. Zum ersten Sieg bei einer Turnierteilnahme seit 1976 allerdings kommt es wieder nicht. Beim alljährlichen Turnier vor den Toren Wildeshausens heißt es wieder Endstation Endspiel: 4:5 im Elfmeterschießen. Verlieren durch Elfmeterschießen - der Alptraum jedes Fußballers. Es sollte ein langer Traum in der Geschichte des Roten Sterns werden. Und wie immer teilt auch der SV Werder des Rotsterns Leid: “nur” Vizemeister. Politisch ist einiges im Umbruch: die Werft AG Weser im Bremer Westen, Symbol der proletarischen Geburtsstätte des Roten Stern, wird geschlossen. Die Grünen ziehen in die Bürgerschaft ein. Die Anti-Kriegsbewegung wehrt sich gegen Nato-Nachrüstung und Bombenmunitionszüge durch Bremen. Alles in allem ein sehr ereignisreiches Jahr. Nur die sogenannte Freak-Liga, ein sehr früher Vorläufer der Wilden Liga, scheitert. Ein Gegner aus Blumenthal, gespickt mit Verbands- und Bezirksligakickern, weigert sich, ohne Umkleideräume und Duschen anzutreten. So bleibt der Rote Stern ungekrönter Meister einer abgebrochenen Saison. Das Werder ausgerechnet gegen das DDR-Team Lokomotive Leipzig im UEFA-Cup scheitert., nützt der politischen Bewegung Bremens nichts. DFB und DDR - eine armselige Allianz.
1984:
100 Spiele - ausgebufft und abgebrüht
Das 100.Spiel seit Beginn der Statistik wird mit 8:0 gegen den Wildeshausener Heimatverein des Rechtsaußens gewonnen. Obwohl bereits mit doppelter Fußballzugehörigkeit ausgestattet, kündigt er anschließend seine DFB-Mitgliedschaft und wird Vollprofi beim Roten Stern. Dieser taucht im Sommer erstmals in den Medien auf. “Abgebrühten, technisch versierten und ausgebufften Fußball” schreibt das damalige “Bremer Blatt” über die Spielweise anläßlich des von der Szene-Zeitung veranstalteten Turniers. Als großer Favorit wird auf heimischen Boden ungeschlagen die Vorrunde absolviert, Hackethals Rache wird ebenso wie Frischauf Steintor abserviert. Selbst die Publikumslieblinge Cannabis-All-Stars beißen sprichwörtlich ins Gras. Für den Tag der Endrunde läßt diese Überlegenheit Gutes erahnen. Doch wieder scheitert der Rote Stern an den eigenen Nerven. Aus im Halbfinale durch Elfmeterschießen gegen Bunter Sturm. Und gegen die Tornados ( später Stümper ) geht das Spiel um das Treppchen verloren. Wie Werder. Eigentor im UEFA-Cup gegen Anderlecht und aus.
1985:
33 Mann sonntags um 10 Uhr
Der Rote Stern expandiert. Immer mehr Kicker wollen dabeisein. Beim sonntäglichen Kick rote Leibchen gegen bunte Leibchen stehen 33 Kicker auf dem Platz. Ein Einstellungsstop muß her. Erste Abspaltungen in neu gegründete Teams verbessern die Lage. Nachdem zuvor schon einige Rotsterne bei Caracho Walle kickten, folgt jetzt ein weiterer Teil und wandert bei den Carachos mit Caracho in den DFB. Wieder einmal Unterwanderung oder schlichtes Vergnügen? Noch heute, 15 Jahre später, kicken die Ex-Sterne bei Blau-Weiß in Findorff, und nur noch zweimal aufsteigen, dann erscheint man Montags im Weser-Kurier in der Dritten Kreisklasse. Die Ablösesummen an die Ursterne stehen allerdings noch aus. Und der erste Pokal aus dem Zimbabwe-Turnier 1975 wanderte samt Libero mit zum DFB. Ein anderes Subteams, “Links vorbei”, lässt sich auch nicht lumpen und schlägt den Roten Stern. So war das dann doch nicht geplant! Beim traditionellen Hengsterholz-Turnier bei Wildeshausen gibt es ne Klatsche. Platz 5 von 6. Glücklichweise muß Fährhaus dran glauben: 8:1 ím neunten Aufeinandertreffen. Der Rekordgegner. Werder wird Vizemeister, scheitert aber im Uefa-Cup an Schwarzmeer Odessa. Wieder ein Ostclub. Wie beim Roten Stern. Den Blick nach Westen, handelt man sich ostwärts nur noch Niederlagen ein.
1986:
Tschernobyl auf dem Hartplatz
Erste Kontakte mit Buntligisten. Kommando Letzte Schicht Oberhausen, noch unter anderem Namen antretend, verhindert den lang ersehnten Turniersieg. 10 Jahre Bunter Sturm, und der Rote Stern stürmte am ersten Tag ungeschlagen drauf los. Am zweiten Tag war die Puste weg. Auch Werder wird wieder nur Zweiter. Der Kader umfaßt immer noch 35 Kicker. Das Bremer Regenwetter setzt das Stammspielfeld zunehmend unter Wasser. Dank Tschernobyl werden die Vorzüge von Hartplätzen entdeckt. Das Gras hat zuviele Bequerell, und da die Gegner zunehmend gegen die Roten Sterne ins Gras beißen, werden wir gesundheitspolitisch aktiv. Doch auch auf neuem Belag schlägt die Truppe alle Gegner vergangener Jahre, wie Stümper, Fährhaus oder Cosmos Woltmershausen. Ein Wunder? Werder macht ein solches. 1:4 im Hinspiel in Moskau gegen Spartak, im Rückspiel heißt es dann 6:2 nach Verlängerung im Uefa-Cup. Diese Wunder soll es noch öfter geben. Ein anderes Wunder: Kaum noch einer der Rotsterne ist politisch aktiv. Jedenfalls laut und deutlich. Eher im Verborgenen. Eine Alterserscheinung? Der Teamchef beginnt mit einer unglaublichen Statistik. Jedes Spiel, jeder Mitspieler, jedes Tor wird registriert und kommt in die Rote Stern Datenbank.
1987:
Rastafar vibrations und der DFB
Der höchste Sieg in der Vereinsgeschichte. Die Betriebssport-Tabaktruppe von Brinkmann wird 14:0 geschlagen. Dagegen werden den Rotsternen die Grenzen alternativer Fußballtechnik von den Rastafaris des Roots & Culture - Clubs aufgezeigt. Die Farbigen spielen die Verteidigung schwindlig. Weitere Rotsterne spalten sich ab. Sie landen wieder bei den 5.Herren von Blau-Weiß Bremen in der 7.Kreisklasse, bringen aber mit Mitspieler Fabsi aus dem Toten-Hosen-Campino-Umfeld eine erste Single auf den Markt. Doch noch verlieren sie gegen den Roten Stern. Auch Werder bleibt oben dran.
1988:
Einstellungsstop - basta
Wieder werden die DFB-Abtrünnigen zweimal geschlagen. Der Rote Stern bleibt 1988 ungeschlagen. Der Rückzug aus den politischen Basisinitiativen scheint neue Kräfte auf dem Spielfeld freizusetzen. Der Einstellungsstop fällt und zahlreiche Neueinstellungen, deren Alter weit unter dem Durchschnitt der Reststerne liegt, sorgen für neuen Schwung. Aus dem ganzen Rest der Republik wird die Kunde vom Neuaufbau vernommen. Aus Ostfriesland eilt ein Ex-Gegenspieler Dieter Eilts herbei, aus dem Limburgischen kommen zwei Reißer, einer vorn, einer hinten, und sogar Werder wird folgerichtig Meister. Eine Neuerwerbung als Folge der Europameisterschaft, die die grandiose holländische Mannschaft gewinnt, zeichnet sich bereits ab: ein Bondscoach soll Interesse angemeldet haben. Das Zentralkomitee des Roten Stern bleibt im Kontakt .Eine erste Umfrage nach den Fußballidolen des Roten Stern bringt Überraschendes ans Tageslicht: neben Maradona, Netzer, Beckenbauer und Overath tauchen auf: Charly Dörfel, Bulle Roth, Karl Allgöwer, der Algerier Belloumi, Manni Kaltz und - Fifi Schnibbel. Und erstaunlicherweise nicht ein Werderaner.
1989:
International - EU-Meister auf Anhieb
Es wird international. Werder nimmt am Landesmeistercup teil, und der Rote Stern bewirbt sich über eine taz-Annonce an der Bolz-EM in Aachen. Verantalter Partisan Eifelstrasse. Das Bremer Team wird EG-Meister (Platz 7) und hat sich trotz harter Spielweise in Buntligakreisen weiter empfohlen. Zwar hagelt es noch Niederlagen gegen die erfahrenen Partisanen und Bongo Bongo Westerwald, aber im Spiel um den EG-Titel wird sogar das entscheidende Elfmeterschießen gewonnen! Die taz Bremen kommt um einen Artikel nicht herum. Bremen hat wieder ein großes Team hervorgebracht. Das tröstet selbst den Mittelfeldregisseur, der im echten Leben ebenfalls Regie führt und einen spektakulären Hollywood-Coup in Bremen versucht. Während er sich in Aachen von seinen Mitspielern senftenmäßig durch das Bierzelt schleppen lässt (Wadenkrämpfe in beiden Beinen), wird der Film zum Flop. Wie bei Werder. Gegen Anderlecht heißt es 0:3 zur Pause, die Massen gehen nach Hause, am Ende steht es aber 5:3 für die Grünweißen.
1990:
Im BMW nach Köln
Das Nürnberg-Syndrom (68 Meister, 69 Abstieg). Kaum oben, schon wieder unten. Erstmals bei der alternativen Deutschen Fußballmeisterschaft dabei, reicht es mit “kontrollierter Offensive” nur zu einem kümmerlichen Tor im letzten Spiel um Platz 15 gegen Roter Stern Nürnberg. Wieder wird gegen Partisan vergeigt, und auch Alhambra Oldenburg gewinnt mit 1:0. Ursachenforschung bestimmt den Rest des Jahres. Es lag an den Anreise. Der Sturm fuhr im flotten BMW nach Köln, die Abwehr im VW-Bulli hinterher. Auf dem Spielfeld war es ebenso. Die gegnerischen Stürmer waren immer schon weg, als die Abwehr einschreiten wollte. Ein anderes Oldenburger Team, Karo, muß büßen. 7:2 im Jahr 1 nach Köln. Auch Werder ist international erstmals nicht mehr dabei. Ein eigenes Turnier, wahrscheinlich zum 15-jährigen Jubiläum, gewinnt Blau-Weiß 4. Herren, die DFB-Abtrünnigen, obwohl das Spiel gegen den Roten Stern verloren geht. Doch der vergeigt wieder im letzten Spiel gegen Fährhaus den Turniersieg.
1991:
Terschelling und Alte Herren
Werder wird Pokalsieger. Der Rote Stern verzichtet auf die Teilnahme an den Alternativmeisterschaften und will im fernen Holland den Pokal des Turniers auf Terschelling holen. Zwei Tage vor Anreise stellt sich heraus, daß sämtliche Plätze umgegraben wurden. So bleibt die Anreise aus. Für die Meisterschaft in Freiburg ist es auch zu spät. Nur 9 Spiele trägt der Rote Stern 1991 aus, nur einmal auf heimischen Rasen. Alle 5 Minuten fällt dort ein Tor gegen PVC Oldenburg. 9:9 heißt es am Ende. Währenddessen ertönt ein Hilferuf aus dem Bremer Umland-Speckgürtel. Ein Rote-Stern-Gründungsmitglied sucht dringend Aushilfskräfte für das dörfliche Altligateam. 5 Leistungsträger des Roten Stern schießen in der Folgezeit die Alten Herren zur Vizemeisterschaft in der Kreisliga. Der DFB wird den Beteiligten sympathisch. Sonnabends DFB, sonntags Freizeit. Es geht auf die Kondition. Im Laufe der Jahre vergnügen sich immer mehr Rotsterne in Wallhöfens Altliga: schließlich sind es 8 Sterne, die mehr oder weniger aushelfen müssen. Die kritische Auseinandersetzung mit dem DFB bleibt auf der Strecke. Doch noch lassen sich neue Rotsterne davon nicht beeindrucken. Politisch beginnt in Bremen ein Abenteuer: die Ampel-Regierung aus Sozis, Liberalen und Grünen. Nichts für den Roten Stern. Abenteuer hatten sie schon genug.
1992:
Platz 15 - zum Ersten
Wieder wird nur der 15.Platz bei der Alternativmeisterschaft erreicht. Nur knapp scheitert das Team durch das schlechtere Torverhältnis an der Endrunde der letzten Acht. Ein Skandal. Denn eigentlich war der zweite Vorrundenplatz schon sicher, als auf dem Nachbarfeld unnötig mehrere Minuten nachgespielt wurde, so daß der Namensvetter Roter Stern Nürnberg doch noch den Roten Stern Bremen überflügelte. Zu allem Überfluß bekam der Bondscoach einen auf die Nase: Nasenbeinbruch im vorletzten Spiel. Doch ein wahrer Coach läßt die Elf nicht im Stich. Schon kurze Zeit später, während des Endspieles, ist der Coach bereits vor der Kamera von VOX und gibt Interviews. Elf Niederlagen hagelt es 1992. Eine Grundsatzdebatte beginnt. Ist der Name noch zeitgemäß? Wo bleibt die hohe Spielkultur? Der Kader schrumpft wieder, die Doppelbelastung von mittlerweile 8 Kickern im DFB und im Alternativteam hinterläßt Spuren. Werder wird auch nur Neunter, gewinnt aber den Europapokal.
1993:
Wilde Liga - und ein Tribünendach
Die Wilde Liga Bremen entsteht. Endlich. 7 Teams sind dabei. Auslöser: ein Artikel der Roten Sterne in der taz, drei Telefonate, und der Durchbruch war da. Der Altmeister vom Kuhhirten ist zwar das älteste Team, kann aber etliche Zwanzigjährige durch Erfahrung und Kondition niederhalten. Dafür fehlt die Kraft bei der Aachener Meisterschaft. Wieder ganz unten, nur Platz 16. Nur insgesamt ein Sieg gegen Rote Hosen Ostberlin und wieder zwei verlorene Elfmeterschießen. Ein Befreiungsschlag über das Tribünendach des Aachener Tivoli-Stadions bleibt als positive Erinnerung haften. Und abends im Festzelt ein Highlight: Gildo Horn und seine orthopädischen Strümpfe, damals noch eine unbekannte Größe. Das Konzert wird verpasst. Der Roter Stern geht essen. Warum? Einfach Hunger. Warum Werder Meister wird, läßt sich auch nicht mehr erklären.
1994:
Endlich - Meisterschaften in Bremen
20 Jahre Fußball am Kuhhirten.. Auch der Name des Teams hat trotz aller Diskussionen und Einflüsse des Weltgeschehens Bestand. “Die Farbe stimmt wenigstens noch”, so die Analyse des Teamchefs, dessen Amtsjahre Otto der Erste nie erreichen wird. Dieser hat zwar Werder wieder ins Pokalfinale gebracht. Die wahre Deutsche Meisterschaft jedoch veranstaltet der Rote Stern. Pfingsten ist der Kuhhirten Schauplatz der 8.Deutschen Alternativmeisterschaften. Der Erzfeind Vibrator Moskovskaya aus der Wilden Liga Bremen wird Deutscher Vizemeister, der Rote Stern Neunter, errungen mit 26 Akteuren in einer “Offence”- und einer “Defence” -Truppe. Die Meisterschaft ist die bisher schönste aller Alternativturniere und schweißt den Roten Stern zusammen. In der Wilden Liga reicht es trotz zweier Siege gegen den Deutschen Vizemeister nur zum fünften Platz. Werder wird Deutscher Pokalsieger und spielt sogar erfolgreich als erster deutscher Verein in der Champions-League. Das Altherrenteam aus Wallhöfen steigt ab, weil die Rotsterne ausgepowert sind.
1995:
Nach 20 Jahren : Elfmeter verhindert Sieg
Wieder geht die Talfahrt los. Otto hat Bremen verlassen, und Werder unter Aad de Mos wird zum Trauerspiel. Die Bremer Ampelkoalition zerfällt. Der Rote Stern wird wieder nur Fünfter in der Wilden Liga und erreicht in der Vorrunde der Meisterschaften von Schweinfurt keinen Sieg, geschweige denn ein Tor. Zum Schluß bleibt Platz 16. Der Kader schrumpft weiter, trotz einiger Neuzugänge. Zum 20-Jährigen-Jubiläums-Turnier des Bestehens von Roten Stern und Bunter Sturm wird überdies das Endspiel per Elfmeterschießen vergeigt. Der erste Turniersieg seit 20 Jahren läßt weiter auf sich warten. Dafür häuft sich das Bremer Medieninteresse an Wilder Liga und am Alternativfussball. Weser-Kurier, Bunten und binnen, taz, Bremer, selbst Werder-Spieler haben Interesse. Marco Bode, Jens Todt, Christian Brand - sie alle werden in den kommenden Jahren die Wildligisten besuchen.
1996:
400 m in Olympianorm – Trainingslager
Werder hat mit Dixie Dörner gerade noch den Abstieg verhindert. Der Rote Stern schrumpft personell, stärkt sich aber spieltechnisch und konditionell durch ein erstmals durchgeführtes Trainingslager an der Nordseeküste mit Feldenkreis-Übungen, Taktikschulung und Schußtraining. Ein abschließender 400m-Lauf wird in 53 Sekunden vom Schnellsten gewonnen, beim Nachmessen der Bahn schwindet jedoch die Euphorie. Die Wilde Liga wird als Vizemeister abgeschlossen, wobei Vibrator, die in Bielefeld Deutscher Meister wurden, wieder geschlagen werden. In Bielefeld selbst erreicht der Rote Stern erstmals die Endrunde und wird Siebter. Das erfolgreichste Jahr in der Geschichte geht zuende. Die Lust am Fußball ist gewachsen, das Durchschnittsalter gestiegen und seit drei Jahren mittlerweile auch das Duschen nach dem Sonntagstraining in den Sportanlagen des ATS Buntentor erlaubt. Dafür wird ein halber Tausender zur Jugendförderung des Heimatvereins gespendet.
1997:
Palastrevolution und Satzungsfragen
Wieder Ärger bei Werder. Dixie ist zu sanft, und das Team spielt grottenschlecht. Mißstimmung auch beim Roten Stern. Der Teamchef tritt von vielen Aufgaben zurück, andere sollen auch mal. Wie im Profibereich werden die Aufgaben auf viele Köpfe verteilt. Fortan gibt es einen Spielausschußleitenden, einen Chef d´Équipe im Exil, den Bondcoach, einen Kassenwart und einen Jugendleiter. Und Disziplin, die bei Werder noch fehlt, soll den Aufschwung bringen. Bei der Deutschen Meisterschaft reichts immerhin zum 12.Platz, angetreten mit zwei kompletten Teams Enver Hodscha und Tschou En Lai. Leider bleibt der Erfolg in der Wilden Liga aus. Sieben Niederlagen. Dafür kommt der Brüsseler Vorstopper in den Genuß, den Dortmunder Champions-League-Pokal livehaftig in den Händen zu halten. Ende des Jahres dann die bittere Erkenntnis: 5 Rotsterne mit knapp 400 Spieleinsätzen zieht es jobmäßig in die Ferne. Bei Werder wird Dixie gefeuert, Sidka kommt, die Elf spielt wochenlang Mist, dann wieder wochenlang Spitze. Wie der Rote Stern.
1998:
Schlechteste Männer
Wieder ein turbulentes Jahr. Werder kommt nicht in Gang, entlässt Sidka und holt den Schleifer Magath. Verunsicherung macht sich breit. Der Rote Stern wird angesteckt. Bei der Deutschen Meisterschaft in Regensburg läuft Vieles schief. Die Anreise mit der Bahn funktioniert ausgezeichnet. Das Zeltaufbauen klappt, und auch die Exilanten aus Berlin und Brüssel sind rechtzeitig auf dem Platz. Doch das ist alles. Erst das letzte Vorrundenspiel gegen das Bremer Konditionskombinat wird gewonnen. Diese begleiten dann abends die Alten Herren beim üblichen Stadtbummel als Zivis. Es bleibt schließlich der vorletzte Platz gegen eine gemischtgeschlechtliche Gruppe. Bei der Wochen später stattfindenden Bolz-WM in Kassel reisen nur 8 frustierte Rotsterne an. Verstärkt durch Piranhas und andere Freunde schafft man den 8.Platz. Dafür lockt erstmals der Wilde Liga Meistertitel. Vier Spieltage vor Schluß reicht es aus, aus eigener Kraft den Titel zu holen. Dann folgen die Einbrüche: Talking Feet und Stümper stoppen den Aufschwung. Dieser bleibt auch bei Werder aus.
1999:
Zweiter - wie oft noch ?
Wilde Liga Meisterschaft Teil zwei. Wieder heißt es kurz vor Saisonende: Meisterschaft in Sicht. Wieder folgen katastrophale Niederlagen: 10 Tore in zwei Spielen. Weinend geht der Maulwurf im Mittelfeld vom Platz - ungelogen. Im Management des Roten Stern stimmt nichts mehr. Der Teamchef gönnt sich eine Auszeit, schmeißt die Redakteurstätigkeit in der Wilden Liga weg, und macht nur zwei Liga-Spiele mit. Der Spielausschußleiter und Vorstopper wechselt zu Saisonbeginn in seine alte Heimat zu Kosteddes Zeugen. Der Bondscoach wechselt zum Saisonende zu Otto nach K´lautern. Ein Gründungsmitglied und der irische Neuzugang übernehmen die Geschäfte. Bei Werder geht Willy Lemke zurück in die Politik in den Bremer Senat. Der Wildeshauser Altstern dagegen wird stellvertretender Bürgermeister Wildeshausens. Zwei aus der Wilden Liga von den Erzrivalen Stümper und Stahl Eisen beglücken die Sterne. Und ein knapp Zwanzigjähriger schafft den sonntäglichen Frühtermin zum Training. Die Konsequenz: der erste Turniersieg seit Jahrzehnten bei den Oldenburger Freunden von Karo und Alhambra. Werder wird Pokalsieger. Mit neuem Trainer.
2000:
Die ersten über 50
Es ist vollbracht. 25 Jahren liegen hinter dem Roten Stern. Wieder wird an der Wilden Liga teilgenommen. Und dort gibt es dann eine Klatsche sondergleichen: 1:5 gegen einen Newcomer, auf Schlacke, unserem Untergrund. Der erstmals eingeführte Wilde-Liga-Pokal bringt auch das Aus in Runde 1. 0:5 gegen einen Gegner, der noch im Vorjahr 11:2 besiegt wurde. Und wieder wird sich zur Deutschen Meisterschadf beworben. Die allerdings findet fast ohne den Roten Stern statt. Doch noch einmal raffen sich alle auf und fahren wieder nach Regensburg. Wieder ohne potentiellen Torwart. Dabei: zwei Ü 50 und zwei U 20 Kicker. Platz 20 heißt es am Ende. Dafür gibt es von den Organisatoren Piranhas Regensburg einen der größten Pokale überhaupt anläßlich des 25jährigen Bestehens. Ovationen auf der Bühne, auch für den Ü50, der über 5 Kilometer in der Donau während der Meisterschaften schwamm. Schon eine Woche später das nächste Highlight: beim 25-jährigen Bestehen des Bunten Sturm holt sich der Rote Stern den nächsten Turniersieg. Wieder ein Pokal und Pressestimmen. Doch trotz eigener 25-Jahr-Feier, trotz Wilder Liga und Deutschen Meisterschaften: weitere Abwanderungen lassen schwere Zeiten anbrechen: wie lange hält diese Truppe noch. Beim sonntäglichen Training werden es immer weniger, die Platzsorgen immer größer, es kracht untereinander und mal wieder mit dem Platzwart und auch sonst ist kaum noch Hoffnung. Politisch geht vieles den Bach runter, Aktiennotierungen und Zinsbelastungen werden wichtiger. Die einzige Hoffnung: der Nachwuchs. Doch der spielt mittlerweile in den Jugendteams des DFB und wird Deutscher Meister der U 15. Und Werder kommt wieder ins Pokalfinale, verliert allerdings. Dafür wird der Rote Stern wieder Wilde-Liga-Vizemeister. Schon zum vierten Mal.
2001:
Fusion, Erfolg und Trauer
2001 bleibt als ein wechselvolles Jahr in Erinnerung. Zunächst fusioniert der Rote Stern mit mehreren Freizeitkickern, die seit einem Vierteljahrhundert parallel sonntags morgens auf dem Nebenplatz kicken. Nur das sie lauter und noch älter sind. Aber das Schwund am Trainingssonntag lies den Sternen keine andere Wahl. Und es klappte mit der Fusion. Sogar bei Wilde Liga Spielen mischten die Neuen mit. Und weitere, jedoch jüngere Verstärkungen blieben im Kader. Alles gipfelte dann im großartigen Triumph bei der Alternativen Deutschen Meisterschaft in Freiburg. Nach drei Tagen Regenwetter stand Platz 6 fest. Wobei nicht verschwiegen sollte, daß die entscheidenden Tore der Regionalliga-A-Jugendliche und Auswahlspieler des mitkickenden Rotstern-Vaters erzielte. Doch der Zweck heiligt mittlerweile die Mittel. In der Wilden Liga reichte es jedoch nur zu Platz 7, jedoch kam der Rote Stern erstmals ins Pokalhalbfinale der Wilden Liga. Es gab jedoch auch Schatten. Hoddle, der lautstärkste der Neuerwerbungen, kam beim Fallschirmspringen ums Leben, und andere Rotsterne verloren Frau und Bruder. Politisch rissen die Ereignisse um den 11.September in New York zahlreiche Widersprüche innerhalb des Mannschaftsgefüges auf. Der stellvertretende Bürgermeister der Nachbarstadt Bremen aus den Rotstern-Reihen wurde abgewählt, und Werder begann mit Thomas Schaaf einen einzigartigen Höhenflug: bestes Bundesliga-Team des Jahres 2001. Dafür war im DFB-Pokal schon zum zweiten Mal in Runde 1 Schluß.
2002:
Das Wunder von der Weser – Deutscher Meister
Immer, wenn die Hoffnung ausbleibt, kommt die Überraschung. Mit mehr Spielern als je zuvor fuhr der Rote Stern zur Deutschen-Alternativ-Meisterschaft nach (Ost-)Berlin. 2 komplette Kader reisten zur Hauptstadt in den Osten. Erstmals dabei: tolle Neueinkäufe aus den Bremer Tischtennisligen, der Goalgetter schlechthin aus einem Transfer von Stahl-Eisen, einer aus der Hoddle-Szene, drei Jungprofis, darunter ein angehender A-Jugendbundesligist, vier Exilsterne und als Abschreckwaffe der Teamchef mit schwarzem CCCP-Lew-Jaschin-Shirt als Goalkeeper. Die DAM begann wie eigentlich immer mit einer Niederlage. Doch dann folgte Sieg um Sieg, und mit einem zweiten Vorrundenplatz war man wieder, wie im Vorjahr, unter den letzten 8. Im Halbfinale dann ein Elfmeterdrama gegen die Titelverteidiger Piranhas aus Regensburg, als Lew Jaschin drei Elfer hielt. Und das Finale wurde zum final countdown. In der sechsten Minute der Nachspielzeit schaffte Eisen-Stefan den Ausgleich, und das Elfmeterschießen nach Verlängerung konnte nur einen Sieger kennen: Roter Stern Bremen. Durch SMS, Mobiltelefone und Hörfunk wurde diese Sensation noch am Finaltag zur Heimat übermittelt. Tagelang berichtete alle Bremer Medien von der Sensation, und die Rotsterne wurde in Bremen hofiert, ob beim Einkaufen, Promenieren oder am Arbeitsplatz. In der Wilde Liga war dann keine Kraft mehr vorhanden. Nur Platz 11, die schlechteste Plazierung im 10 Jahr des Bremer Alternativfußballs. Im Pokal der Wilden Liga reichte es immerhin zum Halbfinale. Werder dagegen konnte den Aufschwung aus 2001 als bestes Team nicht kompensieren. Die Elf wurde durchgereicht und erreichte mit Mühe noch einen Ui-Cup-Platz. Bode, Eilts und Herzog hörten auf. Dafür gewann im Spätherbst überraschend die Rot-Grüne Regierung wieder die Mehrheit. Ein neuer Krieg, diesmal im Irak, wurde durch die US-Regierung angekündigt.
2003:
Auf dem Weg zur Kapital-AG
Als Deutscher Meister mußte um Pfingsten die Alternative Meisterschaft ausgerichtet werden. Zum vierten Mal in Bremen, nach 1994 wieder als Gastgeber. Zuvor waren jedoch einige Wunden zu heilen: Im Wilde Liga Spiel gegen die Entsorgen von ENO riß beim sportlichsten Rotsterngründer das Kreuzbank und alles andere ringsherum. Der Keeper brach sich das Schlüsselbein, und fast zeitgleich marschierten die Amis in den Irak ein. Erstmals nahm der Rote Stern wieder an einem Hallenturnier teil, und erstmals hatte man wieder einen echten Keeper. Von der Bremer Shakespeare-Company kam im Zuge des Meistertaumels ein neuer, einer Goalie und sorgte gleich für einen vierten Platz im Hallenturnier. Im Wilde Liga Pokal dagegen kam das Aus nach Runde 1, so daß sich alles auf das Großevent DAM konzentrieren konnte. „Kicken statt Ballern“, so sollte das Motto heißen. Auf der DAM wurden Maßstäbe gesetzt. Strahlende Wetter und beste Atmosphäre sowie erstmalig 28 Teams sorgten für Stimmung und Rekordumsätze. Der Rote Stern scheiterte an seinem eigenen, seltsam ausgetüftelten Turniermodus und verfehlte nur durch das Torverhältnis die runde der letzten 6. Überhaupt gab es nur eine Niederlage im Spiel um Platz 7. Aber dreimal unter den letzten 8 war allen ein mildes Lächeln wert. Prominente Exwerderaner wie Todtund Brandt schrieben Grußadressen, und der Bildungssenator und Ex-Werder-Manger Willi Lemke kam gar persönlich vorbei. Wieder berichtete die Medienlandschaft ausführlich, und der Umsatz wurde zweckmäßig verbraucht: ein Wochenende im Umland mit Megaessen und Getränken, zwei neue Trikotsätze und Spenden an Fußballkids und internationale Hilfsorganisationen. Werder kaufte dafür einen echten Knaller ein: Micoud vom Europameister und Exweltmeister Frankreich. Und wieder war die Hinserie atemberaubend: Platz 3. Doch wie im Vorjahr gings berab. Wieder nur UI-Cup, und auch dort reichte es nicht lange. Auch der DAM-Ruhm des Roten Stern verblasste schnell. Nur Platz 10 in der Wilden Liga, da drei Besiegte nicht in die Wertung kamen.
2004:
Trotz Wirtschaftskrise: Wachstum bei den Sternen
Das Jahr begann wie immer. Werder auf dem Höhenflug, mit Platz 1 zur Halbserie, im Pokal noch dabei und Platz 1 in der Torschützenliste. Der Rote Stern versuchte sich dagegen im Training. Und dort wurde der Andrang immer größer. Zeitweise kickten Sonntag für Sonntag üknappe 30 Sterne auf den Schlackeplätzen. Kaum Abgänge, dafür reaktivierte und immer wieder Neuzugänge – diesmal aus dem Ruhrpott. Neue Trikots wurde ausgesucht und viel Geld ging für zwei komplette Sätze mit Hosen, Stutzen, Torwarttrikot, Handschuhen, Bällen und Trainingsleibchen drauf statt für Bedürftige in der Dritten Welt. Doch dafür waren in der Kapital-AG noch Rücklagen vorhanden. Der Kassenwart war mittlerweile ein waschechter Banker. Besonderes Highlight: neben dem Stern auf der Brust prangte der Schriftzug „Roter Stern Bremen“ auf der Rückseite der Trikots. Im ersten Einsatz in der Wilden Liga kamen sie dann bei Flutlicht zum Einsatz. Doch da sie schwarz waren, fanden sich die Mitspieler selten. Dafür gab es ein Aufeinandertreffen mit der Spvgg Ulf 04 als Neuling in der Wilden Liga. Viele Chorknaben im zarten Jungenalter von der Liebfrauenkirche siezten die Sterne und gingen dann unter. Werder hingegen schaffte die Sensation: Platz eins mit Riesenvorsprung in der Winterserie und im Pokalsieger. Das Bremer triple allerdings mißlang: der Rote Stern kam einen Tag nach dem Pokalsieg bis ins Endspiel der Alternativmeisterschaften in Kassel und verlor dort gegen die Regensburger Dauersieger Piranhas. Und im Winter schaffte der vereinszugehörige Rotstern-Sohn den Sprung auf Platz 3 bei der Wahl zum Bremer Amateurfußballer des Jahres.